Viel los im Darm

Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass der Darm weit mehr ist, als ein einfaches Verdauungsorgan und hierbei spielen Bakterien eine wichtige Rolle.

So werden vornehmlich im Dickdarm viele Stoffe mit Hilfe von Bakterien verdaut, die sonst vom Körper nicht genutzt werden könnten. Man kann also sagen, dass die Bakterien, indem wir sie mit unserer täglichen Nahrung füttern, auch uns füttern. Durch sie bekommen wir 10 bis 15 Prozent der Nahrungsenergie die für uns lebenswichtig sind, viele davon sind Vitamine.

Unser Darm

Unser Darm

Aber diese für unseren Körper so wichtigen Bakterien können uns auch krank machen. Und dies nicht nur in Form von Infektionen. Die Wissenschaftler haben neue Hinweise dafür, dass die Darmflora mit ursächlich ist für Übergewicht, Diabetes, Autoimmunkrankheiten, Allergien und sogar psychische Leiden. Hier wurden in den vergangenen Jahren in erstaunlichen Experimenten überraschende Zusammenhänge aufgedeckt, von denen die Forscher allerdings viele noch nicht ganz verstehen.

Erstaunlich ist ja zum Beispiel auch, dass sich im Darm unzählige Keime aufhalten können, ohne den restlichen Körper zu befallen und so das Immunsystem außer Kontrolle zu bringen. Schon wenn wir geboren werden, sind wir von Bakterien besiedelt und das Immunsystem, das nach dem Motto Abwehr und Toleranz arbeitet, lernt ständig dazu. Nebenbei werden die Bakterien in unserem Körper auch noch von körpereigenen Antibiotika in Schach gehalten ohne dabei völlig vernichtet zu werden.
Die Bakterien des Darmes können unserem Stoffwechsel helfen ohne dem Körper zu schaden, weil sie in der Schleimschicht der Darmhaut leben und diese Barriere zumeist auch nicht überwinden.

So ist es auch schwer bis unmöglich, diese Bakterien im Labor zu kultivieren, was ihre Bestimmung und Untersuchung so schwierig macht. So kam man auf die Idee, das Erbgut der gesamten Mikrobengemeinschaft zu untersuchen und kam in einer europäischen Studie zu dem Ergebnis, das rund 1000 Bakterienarten den Darm besiedeln, von denen jeder Mensch rund 500 in sich trägt.
Diese Bakterienmischung in unserem Darm ist sowohl von unserer Herkunft abhängig, als auch von unserer Ernährung.

Und dass diese Bakterien auch etwas mit unserem Gewicht zu tun haben, wurde anhand von künstlich erzeugten Labormäusen gezeigt, die über keine eigene Darmflora verfügten. Ihnen wurden in den USA Darmbakterien von menschlichen Zwillingen übertragen, von denen einer schlank und der andere übergewichtig war. Die Mäuse entwickelten sich bezüglich ihres Körpergewichts danach entsprechend ihren Spendern.

In den Niederlanden wurde anhand von Experimenten ein Einfluss der Darmbakterien auf die Entstehung von Diabetes nachgewiesen. Allerdings sind die Bakterien kaum die Ursache für Diabetes, sie tragen wohl nur ein bisschen dazu bei.

Erwiesen ist auch, dass bei chronischen Darmentzündungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa die Zahl der Bakterien im Darm verringert und verändert ist. Allerdings ist noch nicht endgültig erforscht, ob die Bakterien für die Erkrankung ändert oder die Erkrankung die Mischung der Bakterien verändert.

Bis allerdings Darmbakterien als Kur bei Krankheiten eingesetzt werden können, wird die Forschung noch eine Weile brauchen. Bisher wird Patienten nur Fremdstuhl mit Bakterien verabreicht, wenn sie an lebensgefährlichen Durchfällen erkrankt sind, die mit Antibiotika nicht kuriert werden können.

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